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Aus den Magazinen des Landesarchivs (November 2021)

Die „Bildung des Landes Niedersachsen“ zum 1. November 1946 (NLA - HA, Dienstbibliothek, Vb 2, 1946 Nr. 15, S. 341)


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Die Landesgründung vor 75 Jahren vollzog sich so unspektakulär und auch so autoritär, wie die Umstände der Zeit es geboten. Den vier Ländern, die zu der neuen Einheit fusionierten, fehlte die politische Handlungsfähigkeit, selbst einen solchen Schritt zu gehen, obwohl sie über Landesregierungen und – mit Ausnahme Schaumburg-Lippes, das seit Mai 1946 dem Regierungsbezirk Hannover unterstellt war – immerhin auch über ernannte Landtage verfügten.

Nach dem Kriegsende existierten die Länder Braunschweig, Oldenburg und Schaumburg-Lippe zunächst weiter. Hannover blieb preußische Provinz, bis die britische Militärregierung die Gebietsteile des faktisch erloschenen Freistaates im August 1946 zu selbständigen Ländern erhob. Der bis dahin mindere Status hinderte die Provinz und ihren Oberpräsidenten Hinrich Wilhelm Kopf aber nicht daran, eine gewisse Führungsrolle zu entwickeln. Im Gebietsrat, der seit Oktober 1945 die Ausführung der britischen Befehle koordinierte, erhielt Hannover den Vorsitz (zunächst „Gebietsrat Hannover-Oldenburg-Braunschweig“, seit Dezember mit Bremen „Gebietsrat Niedersachsen“). Und der hannoversche Plan für die föderative Neuordnung setzte sich schließlich auch gegenüber konkurrierenden Vorschlägen durch. Am 20. September 1946 votierte der Zonenbeirat, ein Beratungsgremium, mit 16 von 22 Stimmen für das Land Niedersachsen.

So konnte die Militärregierung von einer breiten Zustimmung ausgehen, als sie mit der „Verordnung Nr. 55“ zum 1. November 1946 die Landesgründung verfügte. Ergänzend stellte „Verordnung Nr. 70“ die Rechtsnachfolge klar. Was aber zunächst Vorrang haben musste gegenüber allen organisatorischen Fragen, hob Ministerpräsident Kopf in seiner ersten Regierungserklärung am 9. Dezember hervor: die „Bekämpfung des Elends der Vertriebenen und Flüchtlinge, des Hungers, der Kälte, der Seuchen und der Obdachlosigkeit“.

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