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Aus den Magazinen des Landesarchivs (Dezember 2021)

Tee und Seide für Wolltuch- und Stahlwaren. Der „Freundschafts-, Handels- und Schifffahrts-Vertrag“ mit China vom 2. September 1861 (NLA OL Best. 31 15-44 Nr. 104)


Bildrechte: NLA
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Seit etwa Mitte des 19. Jahrhunderts verkehrten immer mehr Oldenburger Schiffe in ostasiatischen Gewässern. In der Folge bemühte sich das Großherzogtum Oldenburg erfolgreich um die Gründung von Konsulaten, wie beispielsweise 1857 in Shanghai. Ebenso wie das Großherzogtum Oldenburg waren auch andere deutsche Territorien an mehr wirtschaftlichem und politischem Einfluss in China interessiert. 1860/61 wurde daher eine Gesandtschaft unter Leitung von Friedrich Albrecht Graf zu Eulenburg als Sondergesandten im Namen von Preußen und weiteren Staaten des Deutschen Bundes in den ostasiatischen Raum entsandt, um diplomatische Beziehungen und Handelsbeziehungen aufzunehmen. Kurz zuvor war die chinesische Hauptstadt Peking durch britische und französische Truppen im Zweiten Opiumkrieg besetzt worden. Die monatelangen Verhandlungen zwischen den preußischen und chinesischen Diplomaten führten schließlich zum „Freundschafts-, Handels- und Schifffahrtsvertrag“ von Tianjin (1861). Den Staaten im Deutschen Zollverein, den beiden Staaten Mecklenburgs und den Hansestädten wurden darin ähnliche Vorteile eingeräumt, wie sie andere Großmächte vorher – auch mit Waffengewalt – in China durchgesetzt hatten. Der in französischer, deutscher und chinesischer Sprache ausgefertigte Vertrag schuf die Grundlage für die deutsch-chinesischen Handelsbeziehungen bis zum Ersten Weltkrieg. In den ersten Jahrzehnten des Handels wurden aus China vor allem Tee, rohe und verarbeitete Seide, Gewürze, Porzellan, Perlmutt und Lacke eingeführt. Der Großteil des Exports nach China bestand in Gebrauchsgütern, Wolltuchen und Baumwollgarnen. Auch Zucker und andere Raffinaden, Eisen- und Stahlwaren spielten eine Rolle. Die Politik der »Öffnung« Chinas mittels erzwungener Verträge ermöglichte den beteiligten ausländischen Mächten vor allem die Errichtung diplomatischer Vertretungen in der chinesischen Hauptstadt Peking sowie ausländischer Niederlassungen in chinesischen Städten. Konzessionen konnten erworben werden und ausländische Schiffe freizügiger in chinesischen Gewässern kreuzen. Ausländer wurden unter ihr jeweiliges Heimatrecht gestellt und Sonderrechte für christliche Missionen im gesamten Land gesichert.

Lit.:

Bernd Martin: Die preußische Ostasienexpedition nach China. Zur Vorgeschichte des Freundschafts-, Handels- und Schiffahrts-Vertrages vom 2. September 1861, in: Kuo Heng-yü/Mechthild Leutner (Hg.): Deutsch-Chinesische Beziehungen vom 19. Jahrhundert bis zur Gegenwart, München 1991, S. 209–240.

Tsingtau. Ausstellung im Deutschen Historischen Museum vom 27. März bis 19. Juli 1998. Online-Veröffentlichung des Ausstellungskataloges und Aufsätze zum Thema: https://www.dhm.de/archiv/ausstellungen/tsingtau/katalog/Inhalt.htm
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