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Aus den Magazinen des Landesarchivs (Juni 2021)

Die Eroberung der Stadt Braunschweig im Jahre 1671 (NLA WO K 12074)


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Bis zum Jahre 1671 war Braunschweig-Lüneburg ein „Herzogtum ohne Hauptstadt“ (Henning Steinführer). Die Stadt Braunschweig, einstmals Residenz Heinrichs des Löwen, hatte sich im 13. Jahrhundert dem Zugriff der Herzöge entzogen und agierte fortan politisch nahezu eigenständig. Als Samteinrichtung gehörte Braunschweig allen Welfenlinien, aber seine politische Eigenständigkeit betraf vor allem das örtliche Teilfürstentum, deren Herzöge ersatzweise Wolfenbüttel als Residenz nutzen mussten. Braunschweig nahm eine Führungsrolle im Sächsischen Städtebund und unter den niedersächsischen Hansestädten ein, die mehrheitlich ebenfalls autonom waren, ohne reichsunmittelbar zu sein. Während der folgenden Jahrhunderte konnte die Stadt an der Oker ihre Stellung nicht nur wahren, sondern sogar ausbauen.

Der Konflikt mit dem Haus Braunschweig-Wolfenbüttel spitzte sich ab dem Ende des 15. Jahrhunderts im Zuge der Expansion der Landesherrschaft zu und kulminierte schließlich in einem verbissenen Kampf mit Herzog Henrich Julius (1590-1613). Braunschweig wurde ab den 1490er Jahren mehrfach belagert und der Streit mit den Herzögen führte im Inneren zu politischen Verwerfungen – aber die Stadt konnte sich behaupten. Weder der Dreißigjährige Krieg noch die Neuausrichtung der Reichsverfassung im Jahre 1648, die keine autonomen Landstädte duldete, setzten der Selbstverwaltung ein Ende. Ausschlaggebend war vielmehr, dass sich die Welfenlinien erstmals auf ein gemeinsames Vorgehen gegen die Stadt verständigten, statt sich gegeneinander ausspielen zu lassen. Auch konnte Braunschweig angesichts des politischen Wandels der vergangenen Jahrzehnte keinen Rückhalt mehr bei auswärtigen Fürsten und anderen freien Städten finden.

Etwa 18.000 Mann belagerten die gut befestigte Stadt im Mai 1671. Anfang Juni folgte ein fünftägiges Bombardement mit circa 5.000 Kanonenkugeln, welches die Stadt zu Verhandlungen zwang. Nach Zusicherung einiger Rechte musste Braunschweig seinem Patenkind Herzog Anton Ulrich die Tore öffnen. Der Sieg über die unbeugsame Stadt wurde von den Herzögen publizistisch verbreitet, auch die vorliegende Karte legt Zeugnis davon ab. Einige Jahrzehnte später wurde Braunschweig wieder Residenzstadt, wenn auch nur des kleinen Teilfürstentums, das den Namen der Ersatzresidenz trug.

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