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Aus den Magazinen des Landesarchivs (August 2020)

Der große Riss des Markscheiders Adam Illing von den Gruben und Stollen bei Clausthal und Zellerfeld (NLA HA Dep. 150 K Acc. 2018/701 Nr. 1)


  Bildrechte: NLA
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Der im Jahr 2018 von der TUI Stiftung übernommene, sogenannte Illing’sche Riss aus dem Jahr 1661, stellt zweifelsohne eine der bedeutendsten kartographischen Darstellungen des Oberharzer Bergbaus aus der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts dar.

Herzog Christian Ludwig von Braunschweig-Lüneburg beauftragte den Markscheider Adam Illing diesen Riss anzufertigen, nachdem der Herzog am 27. Oktober 1660 den nach ihm benannten Treibschacht befahren und in Augenschein genommen hatte.

Der 4,40 m lange Befahrungsriss zeigt die Verhältnisse des Clausthaler und Zellerfelder Bergbaus in zwei Ebenen, wobei Adam Illing hier vermutlich die 1606 von dem Bergschreiber und späteren Zehntner Zacharias Koch dargestellte Abbildung der Zellerfelder Bergwerke als Vorbild diente. Wie schon Zacharias Koch verwendete auch Illing eine Kombination aus Seigerriss in der Gangebene für die Baue unter Tage und perspektivischer Sicht für das Gelände über Tage.

Der Seigerriss zeigt zum einen die auf dem Zellerfelder Hauptzug westlich der Ortslage und innerhalb von Zellerfeld betriebenen Gruben mit Schächten und Wasserlösungsstollen, zum anderen die an den Zellerfelder Hauptzug anschließenden Gruben des Burgstätter Zuges, die 1661 bis zur Grube „Grüner Hirsch“ führten, sowie westlich von Clausthal die Gruben des Rosenhöfer Zugs. Bemerkenswert ist, dass die eingetragenen Wasserlösungsstollen (z.B. 13-Lachter-Stollen, 19-Lachter-Stollen) bereits in vollem Ausbau gezeigt werden. Die Bereiche, die zum damaligen Zeitpunkt noch in der Planung waren, sind durch eine schmale, parallele Linienführung gekennzeichnet.

Die perspektivischen Darstellungen auf dem Riss sind jedoch nicht nur für die montanhistorische Forschung von Relevanz, sondern stoßen darüber hinaus auch im Bereich der Bau-, Kunst- und Regionalgeschichte auf großes Interesse.

Die Ortslage der Bergstadt Zellerfeld wird vor dem großen Brand von 1672 gezeigt, der große Teile des alten Stadtbilds zerstörte. Beim Wiederaufbau der Stadt erfolgte eine grundsätzliche neue Anordnung der Straßenzüge mit der Goslarschen Straße als Hauptachse sowie mehreren Parallelstraßen und senkrecht zu diesen verlaufenden Querstraßen.

Ganz anders zeigt sich das historische Stadtbild von Clausthal, das trotz mehrerer großer Brände, dem viele Häuser zum Opfer gefallen sind, bis in die Gegenwart in seiner ursprünglichen Form erhalten geblieben ist. Osteröder Straße, Sorge oder Zellbach prägen auch heute noch das Clausthaler Stadtbild. Im Ortskern unverkennbar sind darüber hinaus die 1642 fertig gestellte Marktkirche sowie das alte Amtshaus und das Münzgebäude. Sowohl das Amtshaus als auch die Alte Münze wurden zwar nach dem Stadtbrand von 1725 durch neue Gebäude an gleicher Stelle ersetzt; behielten aber wie die Marktkirche ihren angestammten Platz im Clausthaler Ortsbild.

Nennenswert ist auch der mittlerweile verschüttete in der Mitte des Risses dargestellte rechteckige Ringwall neben der Grube „Grüne Birke“ (später: Grube „Sophie“), bei dem es sich um eine alte Burgstätte handelt, die in früheren Zeiten als Schutzanlage diente und als späterer Namensgeber für den Burgstätter Zug fungierte. Die Anlage befand sich ungefähr dort, wo heutzutage die zum Ostbahnhof führende Straße verläuft.

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