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Aus den Magazinen des Landesarchivs (Februar 2020)

Generalkarte der zwischen Bremen und Bremervörde belegenen Moore Handzeichnung, farbig, gezeichnet von Jürgen Christian Findorff, 1755 (NLA ST Karten Neu Nr. 10120)


 

Würde man im Elbe-Weser-Dreieck eine Umfrage nach den bekanntesten historischen Persönlichkeiten der Region durchführen, käme er ohne Zweifel auf einen der ersten Plätze: Der Moorkommissar Jürgen Christian Findorff (1720–1792), der schon zu Lebzeiten als „Vater aller Moorbauern“ bezeichnet wurde. Als Gründer der Moorkolonien in den Niederungen der Hamme, Wümme und Oste, für die sich die Bezeichnung „Findorff-Siedlungen“ etabliert hat, ist sein Name insbesondere in den Landkreisen Osterholz und Rotenburg (Wümme) bis heute vielfach präsent. Vor 300 Jahren, am 22. Februar 1720, wurde Findorff in Lauenburg geboren.

Die kurhannoversche Moorkolonisation im Elbe-Weser-Dreieck, mit der sein Name verbunden ist, gilt als bedeutendste Leistung des inneren Landesausbaus Niedersachsens im 18. Jahrhundert. Rund 50 Dörfer wurden ab 1749 im wesentlichen unter Findorffs Leitung in den weitläufigen, bis dahin unkultivierten Mooren der Ämter Ottersberg, Lilienthal, Osterholz und Bremervörde geplant und neu angelegt, die hunderten von Familien eine karge Existenzgrundlage boten. Findorffs umfassende Tätigkeit reichte dabei von der Planung der zahlreichen Entwässerungskanäle und Siedlungen in den Mooren über die Koordination und Leitung der Arbeiten bis hin zur Auswahl der Anbauern und Überlegungen zu den wirtschaftlichen Grundlagen der neuen Anbauerstellen.

Die abgebildete Karte, die nach Nordwesten ausgerichtet ist, stammt aus der Frühzeit der Moorkolonisation zwischen Bremen und Bremervörde. In roter und bräunlicher Färbung sind die weiten Moore dargestellt. Erst bei genauerem Hinsehen erkennt man im Bereich des Amtes Ottersberg in der linken Kartenhälfte die regelmäßigen, linearen Strukturen der ersten Moorsiedlungen, die mit Buchstaben gekennzeichnet sind: Wörpedorf (A), Neu St. Jürgen (B) und Eickedorf (C).

Als Besonderheit dieser Karte fällt die Zeichnung am unteren rechten Rand ins Auge. Der architektonisch gestalteten Kartusche mit dem Kartentitel ist eine realitätsnahe Darstellung aus dem Arbeitsleben der Moorkolonisten beigefügt. Sie zeigt die mühevolle Arbeit des Torfstechens, aber auch, mit humorigem Beiklang, einen Arbeiter, der gerade vom Schlaf erwacht. Im Hintergrund wird der Torf auf Kähnen verschifft, und ein Kuhhirte ist bei seiner Tätigkeit dargestellt.

 
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