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Aus den Magazinen des Landesarchivs (Juni 2018)

Das Testament Kaiser Ottos IV. (1218) (NLA WO 2 Urk 1 Nr.1)


Als Kaiser Otto IV. auf der Harzburg, vom Papst exkommuniziert und den Fürsten verlassen, an plötzlich einsetzenden schweren Darmblutungen leidend seinem Tod entgegen sah, musste er Anordnungen für sein Seelenheil und seine Memoria treffen. Am 18. Mai 1218 versammelten sich die Kaiserin, der Abt von Walkenried, Graf Heinrich von Wohldenberg und einige Sekretäre um das Bett des Sterbenden, um Ottos letzten Willen zu bezeugen. Die darüber aufgesetzte Urkunde ist das erste überlieferte Testament eines mittelalterlichen Kaisers.

Der geschickt abgefasste Text hatte einige Schwierigkeiten zu lösen oder zu überspielen, um die kaiserliche Würde des bedrängten Herrschers zu wahren. Otto trug seinem Bruder, dem Pfalzgrafen Heinrich, auf, die Reichsinsignien dem von den Fürsten gewählten oder zu wählenden König zu übergeben. Damit vermied er die Anerkennung des feindlichen Staufers, König Friedrichs II. Da er keine leiblichen Erben hatte, bestätigte er seinem noch minderjährigen Neffen Otto (dem Kind) den Besitz der Herrschaft Lüneburg. Das wurde später eine wesentliche Basis für das neue Herzogtum Braunschweig und Lüneburg.

Zur Förderung seines Seelenheils vermachte er reichen Besitz und den welfischen Reliquienschatz der Stiftskirche St. Blasii in Braunschweig. Seinen Thronmantel erhielt das Braunschweiger Aegidienkloster (heute im Herzog Anton Ulrich Museum). Der Urkunde ließ er das Kaisersiegel in grünem Wachs anhängen. Es zeigt den thronenden Kaiser mit Sonne und Mond – geistlicher und weltlicher Herrschaft – im Hintergrund.

Am 19. Mai 1218 starb Otto IV., der einzige Kaiser aus dem Welfenhaus. Sein Leichnam wurde in der Stiftskirche St. Blasii in Braunschweig beigesetzt. Seine Herrschaft hatte er nach der Schlacht von Bouvins (die er und seine englischen Verbündeten gegen den französischen König und die Staufer verloren hatten) nicht mehr zur Geltung bringen können. In seinem Testament aber zeigt er sich noch einmal ganz als Kaiser.

 
 
 
 
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