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Aus den Magazinen des Landesarchivs (Juni 2013)

Gründung der ersten Fehnkoloni Großefehn in Ostfriesland (Staatsarchiv Aurich, Rep. 226/1 Nr. 1)


StA Aurich Rep. 226/1 Nr. 1  
"Erbschafftsbrieff übe 400 Diemath Moraß zwischen Timmel und Westersander gelegen, für Simon Tebes, Cornelies des Rekeners Cons."

Im Jahre 1633 erwarben vier Emder Bürger vom ostfriesischen Grafen Ulrich II. 400 Diemat (rund 200 Hektar) Moor zwischen Timmel und Westersander. Sie wollten dort Torf abgraben lassen, um Emden mit Heizmaterial zu versorgen.

Der Historiker Wiarda skizzierte diese Maßnahme als für Ostfriesland bedeutungsvoll, weil hier erstmals nach einem von den Niederlanden übernommenen System Torf abgegraben wurde, „wornach sie [die Moräste] mit Canälen durchschnitten, regelmäßig abgegraben, der Untergrund cultiviert, dann mit Häusern bebauet und mit einer Colonie […] besetzet“ wurde.

Die Emder hatten sich für das Gebiet um Timmel entschieden, weil als Transportmittel bereits natürliche Gewässer, wie das Flumm (heute Fehntjer Tief), in der Nähe vorhanden waren, die einen lückenlosen Transport des Torfes per Schiff bis nach Oldersum an die Ems garantierten.

Man trieb vom Flumm aus Kanäle ins Moor, von denen wieder weitere Gräben abzweigten. Trotzdem wurden die Wege für den Abtransport des Torfs immer weiter und unrentabler. Drei der „Interessenten“ veräußerten bald ihre Anteile. Um die Bewirtschaftung weiter betreiben zu können, gründete der letzte verbliebene Interessent eine „Kompagnie“ mit Ober- und Untererbpächtern als Anteilseigner. Anfangs warf die Gesellschaft keinen Gewinn ab, weil die Anlegung von Kanälen, Schleusen und Brücken mehr Kosten verursachte als durch den Torfverkauf eingenommen wurde. Mit zunehmender Besiedlung auf dem abgebauten Torfboden wurde die Situation besser. An den Kanälen siedelten sich nun Landwirte oder Schiffer an, auf deren Schiffen neben Torf auch landwirtschaftliche Produkte transportiert wurden. Die dazugehörigen Schiffe entstanden auf kleinen Werften, die sich an die flachen Gewässer durch spezielle Bootstypen anpassten.

Neben Großefehn entstanden in Ostfriesland auf diese Weise eine Reihe von „Fehnorten“, wie Lübbertsfehn, Ihlowerfehn oder Warsingsfehn mit der heute die Landschaft prägenden Siedlungsstruktur.

Literatur:
Heinrich Tebbenhoff, Großefehn. Seine Geschichte, [Selbstverlag], Großefehn 1963
Siegfried Lüderitz, Die Großefehncompagnie, Leer 2000

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