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Aus den Magazinen des Landesarchivs (Februar 2016)

Wolfenbütteler Prinz im Heer des Kaisers vor 300 Jahren – Die Schlacht von Peterwardein (1716) (NLA - Wolfenbüttel - K 2964)


NLA WO K 2964

Die Deutschen haben nicht viele Geschichtsdaten im Kopf. 1716 schon gar nicht. Auch beim Stichwort Peterwardein herrscht eine große Leere. Es ist heute ein Ortsteil von Novi Sad in Serbien. Dort fand vor 300 Jahren am 5. August 1716 eine große Schlacht zwischen Truppen des christlichen Europa und des Osmanischen Reiches statt. Die Osmanen sollen etwa 150 000 Mann aufgeboten haben, die Armee unter dem Prinzen Eugen etwa 80 000 Mann. Es war die Zeit der Gegenoffensive gegen die Osmanen, die 1683 beinahe die Kaiserstadt Wien erobert hätten. Die sogenannten Türkenkriege führten zu einem Wiederaufstieg der kaiserlichen Macht im inneren des Alten Reiches. Wien war klug genug, um die Türkenkriege auch dafür zu nutzen, seine Position im Reich zu stärken – über Konfessionsgrenzen hinweg. Die Anziehungskraft des Kaiserhofs war enorm.

Auch protestantische Fürstensöhne aus Norddeutschland ließen sich vom kaiserlichen Militär anwerben und nutzten die dortigen Aufstiegsmöglichkeiten. Einer von ihnen war der spätere Regent des Fürstentums Braunschweig-Wolfenbüttel, Ferdinand Albrecht II (1680-1735). Als Spross der Beverner Nebenlinie des Hauses Wolfenbüttel hatte er zunächst keine Aussichten, regierender Fürst zu werden und strebte deshalb eine Militärkarriere an, die ihn unter Prinz Eugen bis zum Reichsgeneralfeldmarschall aufsteigen ließ. In seiner Leichenpredigt wird seine Teilnahme an der Schlacht bei Peterwardein erwähnt. Mehr herausgestellt werden dort allerdings seine Verdienste bei der kurz darauf erfolgenden Belagerung der Festung Temesvar im heutigen Rumänien. Als er im März 1735 die Regierung in Wolfenbüttel antrat, brachte er vermutlich den hier abgebildeten Plan mit. Sein Schöpfer war Cyriak Blödner (1672-1733), der 1716 in württembergischen Diensten stand. Ihm werden insgesamt 44 noch erhaltene Karten und Pläne zugeschrieben, die in verschiedenen Archiven verwahrt werden.

Blödners Schlacht bei Peterwardein ist in vielerlei Hinsicht bemerkenswert. Sie ist auf den ersten Blick eher Gemälde als Plan, die in hoher künstlerischer Qualität den Triumph des Siegers verbildlicht. In einem wesentlichen Punkt unterscheidet sie sich aber von einem Schlachtengemälde. Der Plan zeigt nicht nur eine Momentaufnahme der Schlacht, sondern setzt deren einzelnen Phasen der Schlacht vom Anfang bis zum Ende äußerst detailliert in Szene und beschreibt sie auch ausführlich in der rechts ausgeführten Legende. Damit erfüllte er einen ganz wesentlichen Zweck: Er ist auch Lernort. Offiziere studierten anhand von Karten und Plänen intensiv militärische Auseinandersetzungen der Vergangenheit, um aus ihnen und damit der Geschichte zu lernen. Zweifellos ist dieser Plan ein Meisterwerk – allerdings nicht einzigartig. „Schwesterstücke“ werden im Wiener Kriegsarchiv und im Hauptstaatsarchiv Stuttgart verwahrt.

Auflistung von Karten und Plänen aus der Hand von Cyriak Blödner

NLA WO K 2964  
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