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Aus den Magazinen des Landesarchivs (August 2016)

Absage Kaiser Wilhelms II. zu der Teilnahme an der Einweihung des Emder Außenhafens (1901) (NLA - Aurich - Rep. 144 Nr. 531)


NLA AU Rep. 144 Nr. 531

Im 16. Jahrhundert erlebte die Hafenstadt Emden eine große Blüte und war zeitweise eine der bedeutendsten Reedereistädte und der größte Getreidehafen Europas. Doch im Laufe der Zeit veränderte sich das Flussbett der Ems, was zu einer zunehmenden Verschlickung der Fahrrinne führte, die eine Zufahrt nach Emden für die Segelschiffe zunehmend erschwerte. Die Stadt und der Hafen versanken nach und nach in Bedeutungslosigkeit.

Erst die technischen Entwicklungen des späten 19. Jahrhunderts schufen die Voraussetzungen, die Fahrwasserverhältnisse und damit den Zugang zum Emder Hafen nachhaltig zu verbessern. Dies, der Bau des Ems-Jade-Kanals für die regionale Schifffahrt und der Bau des für die östlichen Gebiete des Ruhrgebiets mit ihrer aufstrebenden Industrie als dringend notwendig erachteten Dortmund-Ems-Kanals weckte Emden wieder aus dem Dornröschenschlaf. Der Hafen, nun vor allem Umschlagplatz für Massengüter wie Kohle und Erz, wurde den Anforderungen des neuzeitlichen Schiffsverkehrs angepasst.

Die Erweiterungs- und Umbaumaßnahmen am Emder Hafen waren 1901 abgeschlossen und die Einweihung des neuen Außenhafens sollte in Anwesenheit des deutschen Kaisers Wilhelm II. am 7. August gebührend gefeiert werden. Schließlich galt es, die zukunftsträchtige Stellung der Stadt im überregionalen Wirtschaftsleben zu unterstreichen.

So wurden diese Feierlichkeiten ausführlich vorbereitet, zahlreiche Komitees gegründet, eine Festschrift verfasst, Gedenkmedaillen geprägt und zwei Bronzestandbildern in Auftrag gegeben, die während der Feierlichkeiten enthüllt werden sollten. Man bestellte Fahnen und Girlanden, plante Reden und der Ostfriesische Sängerbund sollte auftreten.

Doch die großen Feierlichkeiten fanden zunächst nicht statt. Der Gesundheitszustand der Mutter des Kaisers hatte sich derart verschlechtert, dass der Kaiser seine Teilnahme per Telegramm absagte (siehe abgebildete Quelle). Dafür sollte ihn der Kronprinzen vertreten. Als die Kaisermutter jedoch am 5. August verstarb, machte die daraufhin angeordnete Hof- und Staatstrauer jegliche öffentliche Festlichkeit unmöglich. In einem Schreiben vom 6. August teilte das Ministerium der öffentlichen Arbeiten deshalb schlicht mit, dass der Besuch auf unbestimmte Zeit verschoben werde und man den Hafen als eröffnet betrachten solle.

Am Ende bekamen die Emder den Kaiser doch noch zu sehen. Die Feier wurde am 30. Juli 1902 nach dem für 1901 vorbereiteten Programm nachgeholt.

NLA AU Rep. 144 Nr. 531  
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