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Aus den Magazinen des Landesarchivs (Februar 2015)

Liebesbrief Herzog Heinrichs des Jüngeren an seine Gemahlin Marie von Württemberg (1515?) (NLA - Wolfenbüttel - 1 Alt 8 Nr. 512 Bl. 2)


"du bist mein allerlibeste"

Als Herzog Heinrich der Jüngere zu Braunschweig und Lüneburg zu Beginn des Jahres 1515 (15. Februar?) Herzogin Marie von Württemberg heiratete, war damit kein politisches Kalkül verbunden. Eine standesgemäße Ehe, gewiss. Es bestand aber wenig Aussicht, die neue verwandtschaftliche Beziehung für Fehden im Norden des Reiches nutzbar zu machen. Heinrich scheint recht verliebt, aber auch leichtsinnig gewesen zu sein. Im hier abgebildeten Brief schreibt er: „Herzallerliebster Weib mein, ich lass dich wissen, dass ich all dorchtig (töricht) gewesen bin. Ich hab aber din nie vorgessen, ich hab denn geschlafen. Ich bitt, du wollst mich nit slahen, wann ich kumme darhamb.“ Und weiter: „Ich will – will’s Gott – bald bei dir sein und will dich vom Grund meins Herz liebe haben. Summa summarum: Du bist mein Allerliebste. Ich du, was du wilt. Hab hunderdausent Guter nacht!“


Die Ehe, die nachher im Streit um die Mitgift und Heinrichs Liebschaften einen weniger erfreulichen Verlauf nahm, hatte bedeutende Auswirkungen. Denn als Heinrichs Sohn, Herzog Julius 1568 die Reformation einführte und begann, die Verwaltung der Fürstentümer Wolfenbüttel, Calenberg und Göttingen zu reformieren, orientierte er sich am württembergischen Vorbild. Sein „Blut- und Religionsfreund“ Herzog Christoph von Württemberg gewährte ihm wesentliche Unterstützung und entsandte den Theologen Jakob Andreae, der die braunschweigischen Kirchen- und Klosterordnungen maßgeblich mitgestaltete. Was übrigens Heinrich der Jüngere, ein kämpferischer Katholik, keinesfalls gut geheißen hätte.

NLA WO 1 Alt 8 Nr. 512 Bl. 2  
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