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Aus den Magazinen des Landesarchivs (August 2015)

Persönliche Botschaften des britischen Feldmarschalls Montgomery an die deutsche Bevölkerung vom 10. Juni und 6. August 1945 (1945) (NLA - Osnabrück - Dep 73b Nr. 1192)


NLA OS Dep 73 b Nr. 1192

Seit Ende März 1945 rückten die alliierten Truppen in Nordwestdeutschland vor. Am 4. April wurde Osnabrück besetzt, das noch zehn Tage zuvor (Palmsonntag) einem verheerenden Luftangriff ausgesetzt war, am 10. April Hannover. Vier Wochen nach der Kapitulation übernahmen die vier Mächte (USA, Sowjetunion, Großbritannien und Frankreich) mit der „Berliner Erklärung“ vom 5. Juni 1945 die oberste Regierungsgewalt. Sie bildeten dazu den Alliierten Kontrollrat und planten die Aufteilung des Landes in vier Besatzungszonen, die auf der Potsdamer Konferenz (17. Juli bis 2. August) besiegelt wurde.


In dieser bewegten Zeit wandte sich der britische Feldmarschall Bernard L. Montgomery (1887-1976) mehrfach mit „persönlichen Botschaften“ an die Bevölkerung. Der Sieger von El Alamein und Cheforganisator der Invasion in der Normandie war seit Kriegsende Oberbefehlshaber der britischen Besatzungstruppen in Deutschland. Der Text vom 10. Juni ist noch deutlich vom Ton des Siegers und wohl auch tatsächlich von persönlichen Erfahrungen geprägt: Montgomery war bereits im Ersten Weltkrieg schwer verwundet worden, und seine Truppen hatten am 15. April 1945 bei der Befreiung des Konzentrationslagers Bergen-Belsen unvorstellbare Greuel erlebt. Hingegen lässt die Botschaft vom 6. August mit ihren konstruktiven Ansätzen sehr viel mehr Hoffnung spüren. Nach der Konsolidierung der Besatzungsmacht spricht Montgomery ausdrücklich vom „zweiten Stadium der alliierten Politik“ gegenüber der deutschen Bevölkerung, die nun auch höflich „gesiezt“ wird. Trotz aller Probleme kommt auf längere Sicht bereits eine Normalisierung des Lebens in den Blick. Wer diesen Text las, war noch einmal davongekommen. Am selben Tag fiel die amerikanische Atombombe auf Hiroshima.


Nicht ganz zufällig haben sich Exemplare dieser (sowie weiterer) Drucke in den Akten der Stadt Melle erhalten. Das nahe gelegene Gut Ostenwalde diente Montgomerys Stab zunächst kurzfristig um den 10. April 1945 und nach der Kapitulation für längere Zeit als Hauptquartier. Die alliierte Militärregierung des Kreises nahm ihren Sitz auf dem benachbarten Gut Bruche. Die Sicherheitslage und die Infrastruktur in der nächsten Umgebung waren somit von großer Bedeutung – und folglich Stadt- und Kreisverwaltung Melle besonders unmittelbar von den Anordnungen der neuen Machthaber betroffen.

NLA OS Dep 73b Nr. 1192 a  
NLA OS Dep 73b Nr. 1192b  
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