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Aus den Magazinen des Landesarchivs (Januar 2026)
Vor 250 Jahren: Braunschweiger Subsidientruppen im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg (1776) (NLA WO 142 Urk Nr. 507)
Die Unterzeichnung der Unabhängigkeitserklärung am 4. Juli 1776 gilt als wichtigster Datierungspunkt für die Amerikanische Revolution. In den USA wird sie nun zum 250. Mal als „Independence Day“ gefeiert. Die kriegerischen Auseinandersetzungen hatten bereits im Vorjahr begonnen. Ihnen fühlte sich Großbritannien militärisch allein nicht gewachsen, weshalb das aus Hannover stammende Königshaus Subsidientruppen bei den Reichsterritorien anmieten ließ.
Am 9. Januar 1776 wurde ein Vertrag mit Braunschweig-Wolfenbüttel geschlossen, das sich verpflichtete, für die Dauer des Krieges etwa 4300 Mann zu stellen. Das Fürstentum stand unmittelbar vor dem Staatsbankrott und war auf die englischen Gelder angewiesen. Unter dem Kommando des Generals Friedrich Adolf Riedesel (1738-1800) brachen die ersten Truppen im Folgemonat auf. Sie wurden in Stade verschifft und über England nach Quebec verbracht. Dort beteiligten sie sich erfolgreich an der Verteidigung der britischen Provinz Kanada und gingen im folgenden Sommer unter dem Oberkommando John Burgoynes (1722-1792) zur Gegenoffensive über. Diese geriet zum Desaster: Ausgehungert und zahlenmäßig unterlegen mussten sie im Oktober 1777 bei Saratoga kapitulieren. Einige Soldaten schlossen sich den Amerikanern an, viele Offiziere wurden nach einiger Zeit ausgelöst, aber ein Großteil der Soldaten blieb bis 1783 an wechselnden Orten in Gefangenschaft. Von den etwa 5.000 Mann, die den Weg über den Atlantik genommen hatten, kehrten etwa 2.900 nicht mehr in die Heimat zurück.
Im abgebildeten Vertrag legten beide Seiten die Konditionen für die Vermietung der Truppen fest, vereinbarten deren Zahl, ihren Transport, ihre Ausrüstung und die Höhe der Subsidien. Folglich handelt es sich um das Kernstück dieses Geschäfts. Der Einsatz der Subsidientruppen blieb im kollektiven Gedächtnis der Braunschweiger haften und wurde im späten 19. und dem ersten Viertel des 20. Jahrhunderts zum politischen und wissenschaftlichen Streitobjekt. An der Frage, ob die Welfen ihre Landeskinder verkauft hatten, spalteten sich die politischen Lager, vor allem während des Herzogprozesses, den das Welfenhaus nach 1918 mit dem Freistaat Braunschweig führte.

