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Bestandserhaltung

Restaurierung - Entsäuerung - Digitalisierung - Sicherungsverfilmung


Restaurierung von Beständen

Am 1. September 2019 startete mit Unterstützung der Koordinierungsstelle für die Erhaltung des schriftlichen Kulturguts (KEK), der VGH-Stiftung, des Landschaftsverbandes Weser-Hunte e.V. und der Hoya-Diepholz‘schen Landschaft ein Bestandserhaltungsprojekt zur Schadensanalyse, Reinigung, Verpackung und Sicherung der Ämterbestände Bruchhausen und Freudenberg. Die insgesamt 4.304 Akten umfassenden Bestände überliefern einen wichtigen Teil der Geschichte des heutigen Landkreises Grafschaft Hoya vom 16. bis zum 19. Jahrhundert. Da es aufgrund von Kriegsverlusten keine parallele Überlieferung gibt, sind diese Ämterbestände besonders wertvoll für die Geschichtsschreibung in lokaler und regionaler Perspektive und sollen zeitnah wieder für die Benutzung zur Verfügung stehen.

Das Projekt der Zentralen Werkstatt des Landesarchivs wurde in das Sonderprogramm „Maßnahmen zur Mengenbehandlung“ der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) aufgenommen. Die zu bearbeitenden Bestände Hann. 74 Freudenberg und Hann. 74 Bruchhausen wurden wie zahlreiche weitere der Abteilung Hannover durch das im Februar 1946 plötzlich auftretende Leinehochwasser stark geschädigt. Der Zustand der Akten innerhalb der Bestände differiert stark. Vereinzelt sind Objekte bereits nach einer Reinigung wieder benutzbar, andere sind in ihrer Existenz durch extremen mikrobiellen Befall und dem sich daraus ergebenden Substanzabbau bedroht. Teilweise sind Verblockungen und hartnäckige Schlammablagerungen vorhanden.

Ziel des neunmonatigen Projektes ist es, ein effizientes Verfahren für eine Schadensanalyse zu entwickeln und gleichzeitig einen Großteil der zum Teil mikrobiell geschädigten Akten sicher wieder der Benutzung zuzuführen. Für den Zeitraum der Umsetzung konnten mit Hilfe der Fördergelder je eine Projektstelle für eine restauratorische Fachkraft und eine restauratorische Hilfskraft geschaffen werden.

Konservierung durch Massenentsäuerung

2020 hat das Landesarchiv nach einer mehrjährigen Unterbrechung die Massenentsäuerung durch Dienstleister wieder aufgenommen und sich damit einer der größten Herausforderungen der Bestandserhaltung zugewandt – dem säurebedingten Papierzerfall.

Ausgewählt wurde der Bestand Hann. 122a „Oberpräsident der Provinz Hannover“ der Abteilung Hannover. Die im Königreich Preußen nach 1815 eingerichtete Behörde bestand als zentrale politische und administrative Instanz bis zur Gründung des Landes Niedersachsen im Jahr 1946. Ihre Aufgabenbereiche umfassten die allgemeine Landesverwaltung, das höhere Schulwesen, die Landeskultur, das staatliche Gesundheitswesen, die Aufsicht über die Wasserstraßen, Wirtschafts-, Ernährungs-, Wohnungs- und Siedlungswesen sowie die Ordnungspolizei. Der Überlieferung kommt damit eine größte inhaltliche Bedeutung zu. Bei den über 7.500 Verzeichnungseinheiten des circa 202 Regalmeter umfassenden Bestands handelt es sich in der Regel um preußisch-fadengeheftete Aktenbände von heterogener Papierqualität, aufgrund seiner Entstehungszeit war ein hoher Anteil sauren Papiers zu erwarten, dessen Alter eine Behandlung besonders dringlich machte.

Maßgeblich unterstützt wurde das Landesarchiv hierbei durch die Koordinierungsstelle für die Erhaltung des schriftlichen Kulturguts (KEK), über die Fördermittel aus dem Sonderprogramm der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) bereitgestellt wurden. Im Zuge eines Vergabeverfahrens wurde das ZFB - Zentrum für Bucherhaltung GmbH in Leipzig ausgewählt und mit der Durchführung der Maßnahme betraut.

Die Entsäuerung des Bestands Hann. 122a „Oberpräsident der Provinz Hannover“ war ein wichtiger Schritt für die Bestandserhaltung im Niedersächsischen Landesarchiv. Es ist nicht nur gelungen, einen bedeutenden Archivbestand zu sichern und zu erhalten, sondern es konnten auch Erfahrungen in der Durchführung großer Massenentsäuerungsprojekte und der Anwendung von Blockentsäuerungsverfahren gewonnen werden, was im weiteren Kampf gegen den sauren Papierzerfall in den Magazinen des NLA von großem Wert sein wird.

Ausführlicher Bericht im NLA-Magazin 2021.

Digitalisierung der Sicherungsverfilmung

2021 jährt sich der Beginn der planmäßigen Sicherungsverfilmung in Deutschland zum sechzigsten Mal. Die Sicherungsverfilmungsstelle für Niedersachsen und Bremen befindet sich seit 1961 in Bückeburg und ist Teil der Zentralen Werkstatt des Niedersächsischen Landesarchivs.

In Bückeburg wurden nach über 118 Millionen Aufnahmen im November 2019 die vier analogen Schrittschaltkameras abgebaut und eingelagert. Damit war der erste Schritt bei der Umstellung auf die digitale Sicherungsverfilmung vollzogen. Seit Anfang 2020 werden nun Aufnahmen mit den neuen Scannern erstellt. Zugleich müssen jahrzehntelang eingespielte Arbeitsabläufe neu entwickelt, erprobt und optimiert sowie Arbeitsplätze ergonomisch eingerichtet werden. Die sechs Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie die Teamleiterin testen die neuen Arbeitsgeräte im realen Betrieb und benennen Verbesserungsbedarfe.

Ausführlicher Bericht im NLA-Magazin 2020.

Säurebedingter Papierzerfall

Papiere aus der Zeit zwischen 1850 und 1990 sind sauer.
Ab 1850 wurde die traditionelle Papierherstellung aus Hadern (Leinen-/Hanf- oder Baumwoll-Fasern) durch einen industriellen Herstellungsprozess abgelöst. Die Papierherstellung wurde dadurch günstiger und in großen Mengen verfügbar. Durch den Herstellungsprozess und die verwendeten Rohstoffe (Holzschliff und Leim) weisen die Papiere aber einen sauren pH-Wert auf. Saure Papiere sind nicht mehr alterungsbeständig, sondern zerstören sich mittels einer autokatalytischen Kettenreaktion buchstäblich selbst. Verstärkt wird dieser Zerfallsprozess durch exogene Einflüsse.

Sicherungsverfilmung

Am 14. Mai 1954 wurde die "Haager Konvention zum Schutz von Kulturgut bei bewaffneten Konflikten" geschlossen. Das internationale Abkommen verpflichtet die unterzeichnenden Staaten zur „Sicherung und Respektierung“ von „beweglichem und unbeweglichem Gut, das für das kulturelle Erbe aller Völker von großer Bedeutung ist“. In Deutschland ist das Bundesamt für Bevölkerungs- und Katastrophenschutz (BBK) für die Aufgabe zuständig. Dabei ist die Sicherungsverfilmung ist eine Maßnahme zur dauerhaften Sicherung der archivischen Quellen als schriftlichem Kulturgut. Jährlich produzieren die Verfilmungsstellen beim Bundesarchiv und den Landesarchiven rund 15 Millionen Einzelaufnahmen. Bis heute sind mehr als 1 Milliarde Aufnahmen entstanden, die im Zentralen Bergungsort der Bundesrepublik Deutschland, dem Barbarastollen in Oberried im Schwarzwald sicher verwahrt werden.

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