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Dreharbeiten zu Quellen über Anton Wilhelm Amo in der Abteilung Wolfenbüttel

Orville Breeveld lässt sich von Dr. Brage Bei der Wieden und Dr. Silke Wagener-Fimpel im Landesarchiv Originalquellen zu Anton Wilhelm Amo zeigen
Orville Breeveld lässt sich von Dr. Brage Bei der Wieden und Dr. Silke Wagener-Fimpel im Landesarchiv Originalquellen zu Anton Wilhelm Amo zeigen

In der Dokumentationsreihe „Untold Past“ erzählt der niederländische Schriftsteller, Musiker und Produzent Orville Breeveld europäische Geschichte aus dem Blickwinkel von People of Color. In einer Folge wird auch der Philosoph Anton Wilhelm Amo vorgestellt, der im 18. Jahrhundert am Wolfenbütteler Hof lebte.

In der aktuellen Debatte um Rassismus und die Folgen des Kolonialismus tauchte auch der Name Anton Wilhelm Amo in den Diskussionen auf, mit der Umbenennung der Berliner „Mohrenstraße“ in „Anton Wilhelm Amo-Straße“ wurde er einem breiten Publikum bekannt. Nun ist Amo in das Interesse eines niederländischen Filmteams gerückt, das für Dreharbeiten ins Landesarchiv Wolfenbüttel kam, wo sich Spuren des ersten bekannten Philosophen und Rechtswissenschaftler afrikanischer Herkunft in Deutschland finden.

Anton Wilhelm Amo war aus Guinea in die Niederlande verschleppt worden. In jungen Jahren diente er am Wolfenbütteler Hof, so dass Orville Breeveld, der Initiator der Dokumentationsreihe, sich von Archivdirektor Dr. Brage Bei der Wieden und der Archivarin Dr. Silke Wagener-Fimpel einige Quellen zeigen ließ. So ist im Kirchenbuch der Wolfenbütteler Schlosskapelle 1708 Amos Taufe als „kleiner Moor“ verzeichnet, Taufpate und Namensgeber waren Herzog Anton Ulrich und dessen Sohn August Wilhelm. Im braunschweigisch-Wolfenbütteler Hofkalender bzw. Adressbuch wird „Anthon Wilhelm Amo, der Mohr, Log. aufm Schloß“ 1721 aufgeführt. Und verschiedene Kammerrechnungen geben Auskunft über das Gehalt, das Amo bezog, auf zwei Quittungen hat sich auch seine Unterschrift erhalten. Ein Kupferstich gibt einen Eindruck vom Schloss Salzdahlum, wo Amos Taufe stattfand und wo er sich als Bediensteter des Hofes vermutlich oft aufhielt.

Orville Breeveld lässt sich von Dr. Brage Bei der Wieden und Dr. Silke Wagener-Fimpel im Landesarchiv Originalquellen zu Anton Wilhelm Amo zeigen

Orville Breeveld wuchs in den 1980er Jahren in den Niederlanden auf und erlebte, so berichtet er, als Schüler selbst, wie Geschichte aus einem europazentrierten Standpunkt vermittelt wurde, erzählt er. In der sechsteiligen Reihe „Untold Past“ will Breeveld nun europäische Geschichte aus dem Blickwinkel afrikanischer Minderheiten erzählen. Ausgehend von ihren Biografien stellt er Persönlichkeiten aus Kultur, Musik, Kunst und Politik vor, die es aufgrund ihrer Hautfarbe nicht in die Geschichtsbücher geschafft haben, die aber im Zuge des gesellschaftlichen Diskurses der vergangenen Jahre neu entdeckt wurden. Dafür begibt Breeveld sich auf die Spuren dieser historischen Persönlichkeiten, er nimmt den Zuschauer mit an die Plätze, an denen nicht nur „black history“, sondern europäische Geschichte geschrieben wurde und trifft Historiker und Zeitzeugen. „Geschichte sollte nicht auf Hautfarbe schauen“, sagt er.

Orville Breeveld stellte mit Bedauern fest, dass zu Amos persönlichen Lebensumständen und privaten Verhältnissen keine Quellen erhalten sind. „Sie könnten beim Schlossbrand 1830 in Braunschweig vernichtet worden sein“, vermutet Brage Bei der Wieden. Auch private Korrespondenz von Amos Dienstherrn Herzog August Wilhelm, wie z.B. Briefe an oder von Amo, ist nicht überliefert. Die Arbeiten an der sechsteiligen Reihe sollen Ende des Jahres abgeschlossen sein, Anfang 2023 wird sie im niederländischen Fernsehen ausgestrahlt.

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