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Theophanu auf Reisen

Die Heiratsurkunde der Theophanu wurde für die Landesausstellung „Der Kaiser und die Säulen ihrer Macht. Von Karl dem Großen bis Friedrich Barbarossa“ an das Landesmuseum Mainz ausgeliehen.


Bildrechte: NLA
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Die im Niedersächsischen Landesarchiv -Abteilung Wolfenbüttel verwahrte Heiratsurkunde der Kaiserin Theophanu aus dem Jahre 972 zählt zu den prachtvollsten Urkunden, die aus dem frühen Mittelalter erhalten sind und zu den wertvollsten des NLA. In dem in lateinischer Sprache abgefassten Dokument bezeugt Kaiser Otto II., dass er seiner Braut, der byzantinischen Prinzessin Theophanu, Landbesitz von außerordentlichem Umfang in Italien, Deutschland, Belgien und den Niederlanden als Heiratsgut überträgt. Die aus drei aneinandergeklebten Pergamentblättern bestehende Urkunde von fast anderthalb Meter Länge und etwa 40 cm Breite ist komplett farbig in Gold, Purpur und Indigoblau mit kunstvollen Ornamenten und Tierfiguren gestaltet und der Text ist in einer kalligraphischen Buchminuskel mit Goldschrift geschrieben. Somit handelt es sich nicht nur um ein Rechtsdokument von höchster politischer Bedeutsamkeit, sondern zugleich um ein einzigartiges Kunstwerk, das 2005 sogar zur Aufnahme in das Weltdokumentenerbe nominiert wurde.

Aufgrund ihres Wertes und ihrer besonderen Empfindlichkeit werden Anfragen zur Ausleihe für Ausstellungen meistens abgelehnt. Doch der Leihanfrage der Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz im Oktober 2019 wurde ausnahmsweise zugestimmt, da für die große Landesausstellung „Der Kaiser und die Säulen ihrer Macht. Von Karl dem Großen bis Friedrich Barbarossa“ im Landesmuseum Mainz weitere hochkarätige Leihgaben aus ganz Europa vorgesehen waren, u.a. die Heidelberger Liederhandschrift Codex Manesse, das Armreliquiar Karls des Großen aus dem Pariser Louvre, die Grabkrone von Kaiserin Gisela und die Mainzer Goldene Bulle. Die aktuelle Situation in Zeiten der Covid-19-Pandemie bildete dabei eine besondere Herausforderung für alle Beteiligten auf Museums- und Archivseite.

Die weiteren Schritte erfolgten in enger Abstimmung mit der Zentralen Werkstatt des Landesarchivs, wobei erstmals das neu ausgearbeitete Leihverfahren mit Facility Report, detaillierten Checklisten und einheitlichem Vertragsformular zur Anwendung kam. Zu den Bedingungen dieser Ausleihe gehörte eine Befristung auf acht Wochen (22.02.-18.04.2021), so dass die Urkunde einen besonderen Höhepunkt zum Ende der Ausstellung bilden würde. Ein dauerhaftes Aufbewahrungs- und Schutzbehältnis aus Plexiglas, bestehend aus Unterteil und Deckel, wurde passend für diese Urkunde angefertigt. Ebenfalls eine Spezialanfertigung war die von der beauftragten Kunstspedition gelieferte Klimakiste für den Transport, die schon im Januar eintraf, um sich ausreichend bis zum geplanten Transport im Februar akklimatisieren zu können.

Doch dann zeichnete sich ab, dass die aufgrund der Covid 19-Pandemie Anfang November 2020 erfolgte Schließung des Museums über den Februar hinaus andauern würde. Damit konnte der ursprüngliche Leihtermin nicht gehalten werden, ja es stand sogar die ganze Ausleihe in Frage. Nach Abstimmung mit zahlreichen Leihgebern wurde jedoch eine Verlängerung der Ausstellung bis zum 13.6.2021 und damit ein neuer Leihvertrag möglich. Am 14.4. wurde die Urkunde durch die Kunstspedition und in Begleitung einer Restauratorin des Landesarchivs aufwändig verpackt, zum Mainzer Museum transportiert und mitsamt der Klimakiste in den Ausstellungsraum gebracht. 24 Stunden später konnte die Kiste geöffnet und die Urkunde - berührungsfrei im Plexiglasunterteil liegend- anstelle des bisher gezeigten Faksimiles in die Ausstellungsvitrine gelegt werden.

Es steht zu hoffen, dass das Museum bald seine Pforten wieder öffnen kann, so dass noch möglichst viele Besucherinnen und Besucher Gelegenheit zur Besichtigung bekommen.

Zwischenzeitlich wird die Heiratsurkunde der Theophanu auch in einer Digitalen Kurzführung präsentiert.

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