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Braunschweigs Soldaten und die Amerikanische Revolution

Ausstellung und (schulische) Themenführungen im Niedersächsischen Landesarchiv Wolfenbüttel


 
Zeichnung der Flagge der Unionstruppen (NLA WO 38 B Alt Nr. 236)
  Bildrechte: NLA WO
Ausstellungsplakat
Eine der tiefgreifendsten politischen und sozialen Umwälzung in der Geschichte des Westens ging nicht von Europa aus, sondern von Nordamerika. Der Amerikanische Unabhängigkeitskrieg (1776-1783) wird heute nicht mehr nur als die Loslösung der 13 nordamerikanischen Kolonien vom Britischen Mutterland betrachtet, sondern in eine erheblich weiter gefasste und längerfristige Entwicklung integriert – die sogenannte Amerikanische Revolution (etwa 1763-1815). Erstmals in der Geschichte wurde in einem Flächenstaat eine moderne Demokratie errichtet und unter Abschaffung des Feudalsystems eine neue Gesellschaftsordnung begründet (freilich bei großen sozialen Unterschieden, mangelnden Frauenrechten und dem Fortbestehen der Sklaverei). Die Amerikanische Revolution war die „Geburt einer Nation“ (Michael Hochgeschwender), aber auch die Schaffung neuer politischer und gesellschaftlicher Rahmenbedingungen. Mit diesem „Novus ordo saeculorum“ (Horst Dippel) boten die Vereinigten Staaten eine echte Systemalternative zu den in Europa tradierten Ordnungsvorstellungen. Diese Neuerungen wurden in den folgenden Revolutionen des Alten Kontinents, am wirkmächtigsten von der Französischen (1789-1799), ebenso aufgegriffen wie etwa von den Unabhängigkeitsbestrebungen in Lateinamerika Anfang des 19. Jahrhunderts und wirken zweifellos bis heute nach.


Was haben diese weltpolitischen Ereignisse mit der Geschichte Braunschweigs zu tun? Zweierlei: Das Fürstentum Braunschweig-Wolfenbüttel war an der Amerikanischen Revolution und dem Unabhängigkeitskrieg maßgeblich beteiligt, wenn auch auf Seiten Großbritanniens. Herzog Carl I. vermietete seinem welfischen Vetter König Georg III. von Großbritannien, Kurfürst von Hannover, ein Kontingent von etwa 4.300 Soldaten, um sein hochverschuldetes Territorium vor dem Bankrott zu bewahren. Als Subsidientruppen unterstützten die Braunschweiger unter dem Kommando des Generalmajors Friedrich Adolf Riedesel Freiherr zu Eisenbach die britischen Truppen im Kampf gegen die „Rebellen“ in Übersee. Sie halfen erfolgreich bei der Verteidigung Kanadas, unterlagen dann aber in der Doppelschlacht bei Saratoga (Oktober 1777), einem Wendepunkt des Amerikanischen Unabhängigkeitskrieges, den Unionstruppen und gerieten in Kriegsgefangenschaft. Blickt man auf die Gegenwart, so ist die Amerikanische Revolution seit einigen Jahren in Niedersachsen Teil der Lehrpläne für den Geschichtsunterricht der zwölften Jahrgangsstufe. Weltgeschehen und Landesgeschichte berühren einander – was läge daher näher als beides zusammenzuführen und zugleich für Schülerinnen und Schüler aufzubereiten?

Das dafür gewählte Format ist für die Braunschweigische Landes- und Regionalgeschichte neuartig. Vom 8. November 2021 bis zum 4. Februar 2022 ist eine Ausstellung mit dem Titel „Im Dienste Britanniens. Braunschweigs Soldaten und die Amerikanische Revolution“ im Niedersächsischen Landesarchiv – Abteilung Wolfenbüttel zu sehen. Aufgeteilt in sechs Themenbereiche präsentiert sie den Einsatz der Braunschweiger Soldaten in Übersee, von der Vorgeschichte bis zur Rezeption der Ereignisse. Dem Landesarchiv steht eine dichte und umfangreiche Quellenüberlieferung zur Verfügung, die etwa mit Briefen George Washingtons an Riedesel oder eine der ältesten Zeichnungen der Unionsflagge echte Highlights zu bieten hat. Ergänzend treten Exponate, wie etwa die Replik einer Uniform, hinzu, die der „Braunschweiger Jäger 1776 – Verein zur Förderung der Braunschweigischen Militär- und Zivilgeschichte des 18. Jahrhunderts e.V.“ freundlicher Weise zur Verfügung stellt.


Die Ausstellung steht während der Öffnungszeiten des Landesarchivs allen Interessierten offen. Zugleich dient sie als Grundlage, um den Gymnasien und Gesamtschulen in Braunschweig und Wolfenbüttel Themenführungen anzubieten, welche die Lehrplaninhalte an einem außerschulischen Lernort ergänzen und konkretisieren. Anhand der Originalquellen lässt sich den Schülerinnen und Schülern ein authentischer Eindruck von den damaligen Ereignissen vermitteln, werden Bezüge zwischen der Braunschweigischen Geschichte und dem Geschehen in Nordamerika erkennbar. Das Angebot stößt bislang auf große Resonanz, etwa 20 Schulklassen haben sich für Führungen angemeldet. Allen interessierten Mitgliedern des Braunschweigischen Geschichtsvereins werden ebenfalls zwei Termine für Themenführungen angeboten.

Vertrag zwischen Herzog Carl I. und König Georg III. von Großbritannien zum Verleih Braunschweigischer Truppen nach Amerika mit dem britischen Siegel in einer Silberkapsel von 1776 (NLA WO 142 Urk, Nr. 509
Siegelstempel von General Riedesel, dem Kommandeur der braunschweigischen Truppen in Amerika (NLA WO 2 Slg. 1 L Nr. 3.)

Information:

Ausstellungsort: Ausstellungssaal des Niedersächsischen Landesarchivs – Abteilung Wolfenbüttel (Forstweg 2, 38302 Wolfenbüttel)

Laufzeit der Ausstellung: Vom 8. November 2021 bis zum 4. Februar 2022.

Öffnungszeiten: Montag bis Donnertag 9-16 Uhr, Freitag 9-13 Uhr

Führungstermine für Mitglieder des Geschichtsvereins: 30. November und 7. Dezember von 16-17 Uhr (Anmeldung bitte per Mail an: Heike.Ostwald@nla.niedersachsen.de)

Ausblick:

Es ist geplant, die Exposition auch als virtuelle Ausstellung auf der Homepage des Landesarchiv anzubieten, so dass sie dort auch nach Ende der Laufzeit besichtigt werden kann.

Ein Beitrag für das Braunschweigische Jahrbuch für Landesgeschichte 103 (2022) zum Einsatz der Braunschweiger Soldaten in Übersee und zur Dokumentation der Ausstellung und Themenführungen befindet sich in Vorbereitung.

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