Aus den Magazinen des Landesarchivs (September 2026)

Eine Einladung in die Werkstatt des Hermannsdenkmals, 1868 (NLA HA Hann. 122a Nr. 94, Bl. 123)


Bildrechte: NLA
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Im Sommer 1868 besuchte der preußische König Wilhelm I. die kürzlich annektierte Provinz Hannover. Dem Oberpräsidenten Graf zu Stolberg-Wernigerode gelang ein abwechslungsreiches Programm mit freundlichen Begegnungen – nur kräftige Regengüsse kamen immer wieder dazwischen. Nicht berücksichtigt wurde die Einladung eines gewissen J. E. Bandel, der König möge in seiner Werkstatt den Fortgang der Arbeiten für das Hermannsdenkmal besichtigen. Sollte ein Besuch des Zoologischen Gartens geplant sein, wäre dies leicht zu arrangieren.

Weiterer Erklärungen bedurfte es nicht, denn das Vorhaben war bekannt. Seit den 1830er Jahren verfolgte der Bildhauer Joseph Ernst von Bandel sein Lebensprojekt: an dem vermuteten Schauplatz der Schlacht im Teutoburger Wald (9 n. Chr.) bei Detmold dem germanischen Heerführer Armin/Hermann ein Denkmal zu errichten. Der Sieg über die Römer schien geeignet, der deutschen Nationalbewegung Auftrieb zu geben. Ab 1837 ermöglichten Spenden den Bau des Sockels, dafür verlegte Bandel seinen Wohnsitz von Hannover in eine Bauhütte. Doch wie die nationalen Bestrebungen erlitt auch dieser Plan schwere Rückschläge. 1846 kehrte Bandel enttäuscht nach Hannover zurück. Erst 1863 konnte er dort die Arbeit am Standbild aufnehmen, bald sorgte die Stimmung der Einigungskriege wieder für Zuspruch und Gelder.

Der Besuch des Königs wurde ein Jahr später, am 14. Juni 1869, nachgeholt und in der Presse ausführlich besprochen. Am 16. August 1875 trafen der König und Bandel bei der festlichen Einweihung wieder zusammen. Am 25. September 1876, vor 150 Jahren, starb Ernst von Bandel im Alter von 76 Jahren auf der Rückreise von einem Kuraufenthalt. Sein Grabmal steht bis heute auf dem Stadtfriedhof Engesohde in Hannover. Ob sich das Hermannsdenkmal am richtigen Ort befindet, ist mehr denn je fraglich, seit ab 1988 bei Kalkriese im Osnabrücker Land die Spuren einer größeren Römerschlacht entdeckt wurden.

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