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Aus den Magazinen des Landesarchivs (Juni 2026)
„Schaumburg-Lippischer verbesserter allein privilegierter Kalender, auf das 1776ste Jahr“ (NLA BU D 19 Nr. 426)
„Schaumburg-Lippischer verbesserter allein privilegierter Kalender, auf das 1776ste Jahr“, gedruckt in Stadthagen beim Hofbuchdrucker Johann Friedrich Althans. Das hier abgebildete Büchlein ist der „Staatskalender“ der kleinen Grafschaft Schaumburg-Lippe, erstmals erschienen im Jahr 1762. Diese „Staatskalender“ waren ein neuer Typus jährlicher Periodika, der sich im 18. Jahrhundert in Deutschland etablierte: Ein Kalender mit einem Hof- und Behördenverzeichnis, der die Untertanen über die in Hof- und Staatsdienst zuständiger Personen und etwaige Veränderungen informierte.
Das hier abgebildete Exemplar stammt aus dem Besitz von Gräfin Marie Barbara Eleonore (1744-1776), der Gemahlin des Grafen Wilhelm zu Schaumburg-Lippe (1724-1777, reg. seit 1748). Sie nutzte ein sogenanntes „durchschossenes“ Exemplar, das zwischen den bedruckten zusätzliche leere Seiten enthielt, für Tagebucheintragungen.
Marie, Tochter des Grafen zur Lippe-Biesterfeld, heiratete im November 1765 den Grafen Wilhelm, die Beziehung der beiden war liebevoll und zugewandt, endete aber unglücklich. Marie war eine sehr religiöse Persönlichkeit, sehr selbstquälerisch zudem, in ihren leider wenigen Tagebuchbänden notiert und reflektiert sie Alltagsleben am Hof und ihre Empfindungen. Sie fasst die für Tagebuchschreiber oft typischen guten Vorsätze wie hier links neben dem Titelblatt von 1776 „ich will treulich und aufrichtig anzeichnen alles kurtz wies ist“, bricht dann aber nach einigen Monaten doch wieder ab. Bemerkenswert sind die Eintragungen über die Predigten Johann Gottfried Herders, die sie in der Bückeburger Stadtkirche hörte und ein langer Eintrag über den schmerzvollen Tod ihrer Tochter, die am 18. Juni 1774 möglicherweise an den Nachwirkungen einer Pockenimpfung starb. Marie, selbst tuberkulosekrank, überlebte ihre Tochter nur um zwei Jahre und starb an ihrem Geburtstag, dem 16. Juni 1776, vor 250 Jahren. Ihr Ehemann, Graf Wilhelm, von Kummer gebrochen, überlebte sie nur um ein weiteres Jahr.
