Aus den Magazinen des Landesarchivs (Juli 2026)

Kunstarbeiten von Schülerinnen aus der Zeit der Weimarer Republik (NLA OL Best. 134 Nr. 2095)


Bildrechte: NLA
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„Der Sinn für die glückliche Einheit von Zweck, Material, Bearbeitungstechnik und Gestaltung, die wir an heimatlicher Volkskunst bewundern, kann nicht besser gebildet werden als durch eigenes Schaffen.“ (Zitat Käthe Lehmkuhl)

Im Bestand des Oldenburgischen Kultusministerium (Best. 134) befindet sich unter den Lehrer-Prüfungsakten auch die der Kunstlehrerin Käthe Lehmkuhl (1904-2000) aus Delmenhorst von 1929. Käthe, eigentlich Anna Katharine Helene, war Tochter eines Schuldirektors. Sie hatte bereits kurze Zeit als Mittelschullehrerin in Augustfehn an der Höheren Bürgerschule gearbeitet, entschloss sich dann aber noch zu einem Kunststudium und zur Absolvierung einer Qualifizierung für das höhere Kunstlehramt. Nach Studium in München und Berlin, das sie mit der Werklehrerprüfung und Prüfung für das künstlerische Lehramt abschloss, leistete sie 1928/29 ihr Referendariat erst an der Staatlichen Augustaschule in Berlin und dann am Lyzeum ihrer Heimatstadt Delmenhorst, zweier reinen Mädchenschulen, ab. Lehmkuhl bestand ihre Prüfung für das höhere Lehramt mit dem Thema "Angewandtes Gestalten im Zeichenunterricht" mit Bestnote.

Sie wurde 1929 als „technische Lehrerin, inbesondere als Zeichenlehrerin“ an ihrer Ausbildungsstätte, dem Lyzeum Delmenhorst, endgültig angestellt (später Gymnasium an der Willmsstraße). Dort unterrichtete sie in den Fächern Zeichnen, Biologie, Nadelarbeit und Kurzschrift und heiratete 1934 ebenfalls einen Lehrer (nach der Heirat führte sie den Doppelnamen „Lehmkuhl-Busch“). Neben der beruflichen Kunstausübung betätigte sie sich auch privat als Künstlerin. Sie war insbesondere Ölmalerin und wurde für realistische Porträts und Landschaften bekannt. Wahrscheinlich war Lehmkuhl von der ebenfalls an der Augustaschule als Kunsterzieherin wirkenden Malerin Ruth Parnitzke (später in Kiel) beeinflusst. 1928 wurde für Lehmkuhl, „der jungen Delmenhorster Künstlerin“, eine Kunstausstellung in der Delmenhorster Buchhandlung Carl Otto organisiert. 1933 präsentierte sie Werke auf der Ausstellung Kunst im Gau Weser-Ems. Gemälde von ihr befinden sich in der Städtischen Galerie Delmenhorst, zuletzt noch 2021 durch Schenkung von privater Seite ergänzt. Lehmkuhl starb in hohem Alter bei ihrer Tochter in Tübingen, wohin sie kurz vor ihrem Tod gezogen war.

Das Besondere an den Prüfungsunterlagen der Käthe Lehmkuhl im Landesarchiv ist die für die Prüfung im Zeichen- und Nadelunterricht beigefügte Mappe mit farbenfrohen Schülerinnenarbeiten, die ganz offensichtlich besondere Kunstfertigkeit demonstrieren. Unter den Arbeiten ragt etwa ein gelungener bunter Hampelmann hervor, die Arbeit einer Delmenhorster Schülerin der Quinta. Einen Hampelmann zu gestalten, sei allgemein, so Lehmkuhl, eine Aufgabe „die den Kindern allergrößte Freude macht“.

Den Arbeiten beigefügt ist eine rund 40 Seiten umfassende schriftliche theoretische Ausarbeitung von Lehmkuhl, deren Ausführungen in der praktischen Arbeit mit den Schülerinnen umgesetzt die beigefügten Resultate lieferte. Schließlich liegen auch zwei schriftliche Gutachten ihrer Prüfer in der Akte, die sich beide sehr anerkennend äußern. Neben dem genannten Hampelmann sind unter den Arbeiten der Schülerinnen Illustrationen zu "König Drosselbart" (entstanden in einer Sexta der Augusta-Schule in Berlin), Entwürfe für Kreuzstichmuster für einen Kleidsaum – nach Vorbild einer Leinendurchbrucharbeit aus Sizilien, Stickereien, Entwürfe von Spielkarten bzw. Quartettspielen, für die Bemalung eines Kasperletheaters und für dessen Vorhang, schriftornamentale Übungen, Farbzeichnungen zum Thema "Das Haus des Zauberers" (Arbeiten einer Quarta in Delmenhorst) und Entwürfe für gewebte Kissen (Arbeiten einer Delmenhorster Untersekunda). Bei Entwürfen von Tüllapplikationen einer Delmenhorster Untersekunda zeigen sich sogar Reflexe der aktuellen abstrakten Moderne. Lehmkuhl bemerkt, es handle sich um die „angewandten Arbeiten, die ich im Laufe dieses Jahres im Zeichenunterricht gestellt habe“, gefertigt von Schülerinnen der Unterstufe. Es sind auch noch Arbeiten aus der ersten Hälfte ihres Referendariates von Schülerinnen der Berliner Augustaschule darunter (Frauenlyzeum; heute Sophie-Scholl-Schule). Teilweise sind die Arbeiten namentlich signiert.

Einer der Prüfer, der Oldenburger Oberzeichenlehrer und Landschaftsmaler Otto Naber (1878-1951), urteilt, das von Lehmkuhl Vorgelegte „beweist Klarheit im Denken, sicheres Urteil in Dingen künstlerischen Geschmacks und eine glückliche Befähigung, die Schülerinnen anzuregen und zum Erfolg zu führen.“ Es zeige sich, „daß Verfasserin gründliche künstlerische Studien betrieben hat, Feingefühl und Geschmack besitzt und – als wichtigstes – die Fähigkeit hat, ihr Können und Wissen bei Schülerinnen m.E. in hervorragender Weise zu übermitteln.“

Informationen zu Käthe Lehmkuhl sind außer der Prüfungsakte auch der Oldenburger Künstlerkartei (NLA OL Dep 113 KUNST Akz. 272 Nr. 3815) und der Schulakte (NLA OL Best. 160-1 Nr. 1453/2) zu entnehmen, in der auch ihr Bewerbungsschreiben mit Passfoto von 1928 enthalten ist.

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