Informationen und Kontakte
Entnazifizierungsakten als ergänzende Überlieferung zur NSDAP-Mitgliederkartei
Rund 800.000 Einzelfallakten stehen im NLA zur Auswertung bereit
Seitdem die National Archives der USA die verfilmte NSDAP-Mitgliederkartei online zugänglich gemacht haben, wird dieses Angebot vielfach genutzt, um nach der Parteimitgliedschaft von Familienangehörigen zu suchen. Weniger bekannt – über den Kreis wissenschaftlicher „Profis“ hinaus – ist, dass in großer Menge und vollständiger als die Karteikarten Akten über die „Entnazifizierung“ erhalten geblieben sind, die nach dem Krieg die Besatzungsbehörden betrieben.
In der britischen Zone, zu welcher das heutige Niedersachsen gehörte, mussten mehr als 2 Millionen Einwohner in Fragebögen Auskunft geben über: die Zugehörigkeit zur NSDAP und ihren Organisationen, den persönlichen Werdegang, den Beruf, das jährliche Einkommen während der NS-Zeit, den Militärdienst, Auslandsreisen, Immobilienerwerb und vieles mehr. Sie wurden daraufhin nach fünf Kategorien eingestuft und je nach Einstufung drohten Strafen und Sanktionen. Verbreitet war, bis zur allgemeinen Entlastung nach Übergang der Verfahren an deutsche Behörden, ein Beschäftigungsverbot. Stießen die Betroffenen auf Schwierigkeiten, ist dies dokumentiert in Eingaben und Leumundszeugnisse, den sprichwörtlich reinwaschenden „Persilscheinen“.
Da es sich um Selbstauskünfte handelt, haben die Entnazifizierungsakten zwar einen geringeren Beweiswert hinsichtlich der Parteimitgliedschaft als die NSDAP-Kartei, sie können aber wichtige ergänzende Informationen aus der NS- und der Nachkriegszeit enthalten.
Welche Akten sind überliefert?
Die Überlieferung der Entnazifizierungsakten wird für Niedersachsen vollständig im Landesarchiv verwahrt und kann hier weitestgehend ohne Einschränkung benutzt werden. Inzwischen sind die archivgesetzlichen Schutzfristen (10 Jahre nach dem Tod der betroffenen Person, hilfsweise 100 Jahre nach der Geburt) größtenteils abgelaufen, sodass Interessierte die Akten einsehen dürfen.
Die Erschließung der Akten wird laufend verbessert, damit in allen Entnazifizierungsbeständen online in Arcinsys recherchiert werden kann.
Die insgesamt rund 800.000 Einzelfallakten sind folgendermaßen in den regionalen Abteilungen überliefert:
(Stand: 29.06.2026)
| NLA Abteilung | Ehemaliger Regierungsbezirk oder Verwaltungsbezirk |
Archivbestände | online recherchierbar |
| Aurich | Regierungsbezirk Aurich | NLA AU Rep. 250 |
ja |
| Hannover | Regierungsbezirk Hannover Regierungsbezirk Hildesheim Regierungsbezirk Lüneburg |
NLA HA 171 Hannover NLA HA 171 Hildesheim NLA HA 171 Lüneburg |
nein ja nein |
| Oldenburg | Verwaltungsbezirk Oldenburg | NLA OL Rep 980 | ja |
| Osnabrück | Regierungsbezirk Osnabrück | NLA OS Rep 980 | ab Oktober 2026 |
| Stade | Regierungsbezirk Stade | NLA ST Rep. 275 I NLA ST Rep. 275 II |
ja |
| Wolfenbüttel | Verwaltungsbezirk Braunschweig | NLA WO 3 Nds. | ja |
Wie können Sie die Akten benutzen?
Selbst recherchieren und Akten im Lesesaal einsehen
Die Recherche in Arcinsys ist ohne Voraussetzungen möglich. Aber für die Bestellung von Akten zur Einsichtnahme in einem Lesesaal einer Abteilung müssen Sie sich in Arcinsys registrieren und einen Nutzungsantrag stellen. Nach der Genehmigung des Antrags ist eine Bestellung möglich.
Die Akten selbst können auf absehbare Zeit noch nicht online eingesehen werden.
Eine schriftliche Anfrage stellen
Falls Sie bei Ihrer Recherche in Arcinsys nicht fündig werden, können Sie eine schriftliche Anfrage bei der jeweiligen Abteilung stellen. Bitte teilen Sie dabei möglichst folgende Informationen mit:
- vollständiger Name der gesuchten Person
- Geburtsdatum
- Wohnort in den Nachkriegsjahren
Geben Sie außerdem Ihre eigene Adresse an.
Sie müssen sich nicht auszuweisen oder Ihr Interesse besonders begründen.
Für die Erteilung der Auskunft werden Bearbeitungsgebühren in Rechnung gestellt; gebührenfrei sind Anfragen für schulische und Ausbildungszwecke sowie heimatkundlicher und wissenschaftlicher Art.
Reproduktionen erhalten
Digitale Reproduktionen zum Download können Sie gegen Rechnung in Auftrag geben.
Wir empfehlen die Akten persönlich im Lesesaal einzusehen, Sie können dann eigene Aufnahmen anfertigen.
Bitte beachten Sie
Informationen zu Entnazifizierungsakten und weiteren Quellen zur NS-Zeit
